„Hollow-Tech, Early-Rise Rocker, Sandwich, Ski-Shaping“, sind Begriffe mit denen nicht jeder etwas anzufangen weiß. Damit man nicht ganz den Überblick verliert, stellen wir euch einige Technologien vor und geben darüber hinaus einen Einblick in die Skiherstellung und dem Skiaufbau. Da die Skiindustrie in Bewegung ist und sich ständig weiterentwickelt, wird auf Grund der unglaublichen Fülle nur ein kleiner Einblick in das Thema gegeben, da es sonst sämtliche Dimensionen sprengen würde. Zum Schluss werden ein paar Dinge verraten, die man beim Skikauf beachten sollte, um den richtigen Ski zu finden.
Skiaufbau – RIM, CAP & Sandwich
Um der Industrialisierung gerecht zu werden, haben sich seit den 1960er Jahren immer mehr Verfahren entwickelt, Ski in großen Mengen herzustellen. Diese werden im niedrigen Preissegment durch das sogenannte „Schäumverfahren“ hergestellt, bei dem PU-Schaum zwischen Ober- und Untergurt injiziert wird.
Allerdings gibt es auch einige hochwertige Schaum- oder Verbundkonstruktionen, die speziell im hochwertigen Tourenbereich Verwendung finden. Bei der Verbundbauweise werden Holzstreifen in den Schaumkern einlegt, wodurch eine höhere Steifigkeit und bessere Schwingungsdämpfung erzielt wird. Im Vergleich dazu gibt es auch noch das RIM (Reactive Injection Molding) – Verfahren, bei dem ein Holzkern mit hochverdichtetem PU-Schaum verklebt wird, um den Ober- und Untergurt miteinander zu verbinden.
Bei der CAP-Konstruktion besteht der Obergurt und die Seitenwangen aus einem Stück, in das der Kern, der Untergurt etc. eingelegt und verklebt werden. Bei der falschen Cap-Bauweise wird die Schale bloß als optischer Deckel draufgesetzt.
Bei der Sandwichbauweise bestehen die Ski aus mehreren Schichten, die in einer der Skigeometrie entsprechenden Form eingelegt werden. Man beginnt mit dem Aufbau von unten mit dem Belag, den Kanten und einer Auflage für die Kanten. Anschließend wird ein Fasergelege aus Polyester, Karbon oder anderen Materialien (Untergurt) und nach Bedarf auch oft eine Aluminiumlegierung (Titanal) eingelegt. Danach folgt ein Holzkern, je nach Konstruktion auch ein Kernabschluss seitlich, Seitenwangen und oberhalb des Holzkerns wieder Fasergelege (Obergurt) und nach Bedarf Versteifungsmaterialien. Den Abschluss bilden eine Deckfolie und die Skioberfläche. Das Ganze wird in der Form fixiert und mit Epoxidharzen unter Hitze und Druck in einer Presse verklebt. Hierbei gibt es die unterschiedlichsten Verfahren, beinahe soviele wie Sand am Meer. Das verwendete Material und das aufwendige Verfahren (nur Handarbeit) sind hierbei maßgebend für den Preis eines Skis und bestimmen seine Qualität. Auch Carbon findet seit kurzem große Bedeutung in der Sandwich-Leichtbauweise.
Flex, Vorspannung, Sidecut & Leichtbau
Da Ski nach ihrer Produktion noch nicht ganz ausgehärtet sind, kann mit viel Fingerspitzengefühl der Spannungsverlauf verändert werden. Das Biegungsverhalten ist ein entscheidendes Maß für den Radius der gefahrenen Kurve und die Exaktheit des Kantengriffs. Daher werden Ski mit dem annähernd gleichen FLEX anschließend zu einem Paar kombiniert und exportiert.
Auch die Wölbung des Skis (= VORSPANNUNG, engl. Camber) ist essentiell für das Fahrverhalten und beschreibt den Abstand zwischen Skibelag und einer ebenen Auflagefläche, wenn der Ski in unbelasteten Zustand ist. Eine präzise Abstimmung mit dem oben genannten Flex ist wichtig, damit der Druck über die gesamte Skilänge verteilt wirken kann. Am Beispiel Kästle lässt sich die Vorspannung leicht erklären:
ST
ANDARD CAMBER verspricht in der Kombination mit der Sandwich Bauweise eine außergewöhnliche Agilität des Skirückstellverhaltens und Performance. Die traditionelle Vorspannung beläuft sich auf 6-8 mm und garantiert ein progressives Fahrverhalten.
Ski mit dem LOW CAMBER Konzept verfügen über eine geringere Vorspannung und lassen sich auch bei weniger Gegendruck (vorallem im Tiefschnee) leichter durchbiegen. Dadurch wird schneller mehr Auftrieb erzeugt, und die Kurve lässt sich besser auf der Biegelinie des Skis steuern.
Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Skiseitenform, der SIDECUT. Er ist neben dem konstruktiven Aufbau und der Biegesteifigkeit maßgeblich für die Kurveneigenschaften des Skis verantwortlich. Dabei spielt der Radius eine wichtige Rolle, jedoch auch der Übergang (Wendepunkt) des Sidecuts in den Schaufel- und Endenbereich. Auch der Schaufel- und Endenbereich ist an die Skischwerpunkte angepasst, was hier nur kurz erwähnt werden soll (z.B. Kästle Hook Free Shovel).

In letzter Zeit wurde speziell auch auf Leichtbau in den Ski-Extremitäten gesetzt, was vor allem Benutzern im Touren- und Freeridebereich zu Gute kommt. Bei Salomon wird durch die HONEYCOMB-Struktur & den ABS Reinforcement Frame das Gewicht am Anfang und am Ende reduziert, was ein besseres Kurveneinleiten ermöglicht.
Kästles HOLLOW-Tech Technologie reduziert auch die Masse indem die schweren Materialen in den Extremitäten ausgespart werden und nur der Glasfasergurt durchläuft. Das Resultat macht sich in einer verbesserten Laufruhe und Spurtreue bemerkbar. Außerdem kehrt die Schaufel nach Schlagimpulsen schneller in ihre ursprüngliche Position zurück.
Der Trend “Rocker”
Was steckt jedoch hinter diesem Begriff und ist er zu Recht der Verkaufsschlager Nummer 1? Fest steht, dass die Rocker Technologie das Skifahren im 21. Jahrhundert nach dem Carving-Trend revolutioniert hat. Die Schaufel eines Rockers ist so aufgebogen, dass ein Stück des Skis leicht vom Boden abgehoben ist. Die leichtansteigende Schaufel vor dem traditionellen Auflagepunkt ermöglicht
ein verbessertes Gleitverhalten. Auch die Wendigkeit des Skis wird deutlich verbessert, so dass der Ski schon früher in die Kurve geht – einen Rocker Ski kann man daher auch in einer längeren Ausführung fahren. Desweiteren wird auch die Gefahr des Verkantens verringert, wobei kleine Fahrfehler korrigiert werden können – denn beim Aufkanten wird der Ski in der Mitte durchgedrückt, so dass 100 Prozent der Kantenlänge zum Einsatz kommen. Je nach Hersteller haben die Rocker einen anderen Namen, in Atomics Nomad Serie heißt er z.B. „adaptive champer“ und bei Kästle „Early-Rise“.

Man unterscheidet bei dieser Technologie einen „Full-Rocker“, der ausschließlich im Tiefschnee Verwendung findet und den „Semi-Rocker“, der immer öfter auf der Piste zu sehen ist:
Die FULL-Rocker ähneln in ihrer Form einer aufgebogenen Banane (Reverse Camber), die am Rücken liegt. Er ist der King im Tiefschnee, schwimmt wie ein Surfboard im Powder und kommt dadurch leichter ins Gleiten. Die aufgebogene Schaufel soll verhindern, dass die Spitze in den Schnee eintaucht. Full-Rocker sind meist auch nach hinten aufgebogen, so dass man auch rückwärtsfahren kann (Twin-Tip).
Der SEMI-Rocker ist derzeit wohl die „eierlegende Wollmilchsau“ im Skibereich. Er wurde als Allrounder konzipiert und lässt sich sportlich auf der Piste sowie ergonomisch im Tiefschnee fahren. Hier hat man einen guten Kompromiss gefunden.
Die Pistentauglichkeit eines Rockers hängt maßgeblich von der Skibreite ab und die variiert zwischen 70 und 130 mm unter der Bindung. Die durchschnittliche Breite eines Semi-Rockers, mit dem man auch auf einer harten Piste gut fahren kann liegt zwischen 70 und 90 mm (was die oben genannten Vorteile mit sich bringt). Die Full-Rocker beginnen meist mit Breiten ab 90 mm, wobei es bis zu 128 mm bei Kästles BMX 128 oder bei Black Diamonds Gigawatt sogar bis zu 135 mm werden kann.
SKI-SHAPING: Die neue Zukunft?
Inspiriert vom Surfsport hat Salomon kürzlich seinen neuen Ski „BBR“ den Powder-Liebhabern vorgestellt. Seine überdimensionale, Surfboard ähnliche Spitze und sein Rocker ermöglichen es, durch Powder zu schweben und auch in unebenem Gelände leicht und vorhersehbar fahren zu können (bei deutlich geringerem Gewicht als ein Freerideski). Die schmale Taillierung des BBR’s und seine besondere Form sorgen dafür, dass man mit diesem Ski optimalen Griff auf der Piste hat und spielend auf härterem Schnee fahren kann. Was Salomon “V” Shape nennt, sind geradezu zwei Skier in einem für eine extrem bewegliche Performance und großen Fahrspaß.
Bereits jetzt hat der BBR eine riesige Fangemeinde, eine eigens auf Facebook gegründete Seite sowie eine eigene Homepage beten diese Weltneuheit an. Der Mann hinter dem Erfolgskonzept ist Bertrand Krafft (Spitzname Beber aka BBR) der sich von Surfen, Kite-Surfen und allen gleitenden Sportarten auf Schnee und Wasser inspirieren lässt.
Das Video zeigt wie seine Idee Wirklichkeit wurde. Der Entwicklungsprozess startet am Computer, anschließend gilt es den richtigen Materialmix zu finden und schlussendlich wird der Prototyp von zahlreichen Skifahrern getestet, die ihn dann bewerten müssen. Anhand der Bewertungen wird das Versuchskaninchen noch angepasst und perfektioniert. Völkl zum Beispiel fertigt laut eigenen Angaben 1500 Prototypen pro Jahr an, von denen es dann nur die besten in die Produktion schaffen.
Wie finde ich nun denn überhaupt den richtigen Ski?
Wichtige Punkte, die man beim Kauf eines Skis beachten sollte, sind z.B. Fahrkönnen, Körpergröße, Skilänge, Vorspannung & Rocker. Bei letzterem kann der Ski auf jeden Fall etwas länger genommen werden. Man sollte auch beachten, dass Skischuhe und Bindungen einem enormen Anteil am Fahrverhalten ausmachen, denn sie gewährleisten die optimale Kraftübertragung vom Körper über den Ski auf den Untergrund.
Für Tourengeher ist der essentielle Faktor auf jeden Fall das Gewicht, hier gilt es einen guten Kompromiss zwischen der Leichtigkeit beim Aufstieg und dem Fahrverhalten bei der Abfahrt zu finden. Für einen passionierten Skifahrer zahlt es sich durchaus aus, in einen hochwertigen Ski in Sandwich-Konstruktion zu investieren, da die Qualitätsunterschiede im Vergleich zum Schäumverfahren enorm sind und sich das deutlich im Fahrverhalten wiederspiegelt.
Bei einer solch großen Auswahl ist es schwer den richtigen Ski zu finden. Der Bergfuchs hat für euch eine Liste zusammengestellt, die euch helfen soll:
http://www.bergfuchs.at/tourenski-skitourenset
Zuvor sollte man sich daher immer im Klaren sein, was man damit machen möchte. Ein Allround-Ski kann im Vergleich zu spezialisierten Ski nicht in jedem Bereich auftrumpfen, bietet aber für die meisten Abenteuer das richtige Werkzeug.
Einzige Ausnahme derzeit ist wohl der Salomon BBR, dessen einzigartige Bauweise für die Zukunft einiges erwarten lässt.
Quellenverzeichnis:
- http://www.kaestle-ski.com/de/techcenter/
- http://www.focus.de/wissen/wissenschaft/ski-technologie-backen-biegen-brettern_aid_213403.html
- http://de.wikipedia.org/wiki/Ski#Bauweisen
- http://www.welt.de/lifestyle/article10104323/Der-revolutionaere-Rocker-erobert-die-Pisten.html
- http://www.kunstpiste.com/skilexikon/
- http://www.salomon.com/os/minisites/bbr/
- http://www.bergfuchs.at/
